Abisolierzange für Elektriker: Welcher Typ passt zur Wallbox-Zuleitung?

Wer eine Ladestation anschließt, hat es mit starren und flexiblen Leitungen mit Querschnitten von 2,5 bis 10 mm² zu tun. Dafür braucht es keine beliebige Zange aus der Grabbelkiste, sondern eine Abisolierzange für Elektriker, die Isolierung sauber entfernt, ohne einzelne Kupferdrähte anzukratzen. Gerade bei der Zuleitung zur Wallbox zählt das, denn dort fließen im Dauerbetrieb 16 oder 32 Ampere über Stunden. Jede beschädigte Ader erhöht an dieser Stelle den Übergangswiderstand und damit die Wärmeentwicklung.

Im Handel finden sich grob drei Bauarten. Die klassische Abmantelzange mit Messerklingen und Einstellrad eignet sich für den Außenmantel von Kabeln wie NYM-J 5x2,5 oder 5x6. Die selbsteinstellende automatische Abisolierzange erkennt den Aderquerschnitt selbst und zieht die Isolierung in einem Zug ab. Dazu kommt die Präzisions-Abisolierzange mit gestuften Schneidlöchern. Für den Hausgebrauch ist die selbsteinstellende Variante meist die beste Wahl, weil sie auch Ungeübten reproduzierbare Ergebnisse liefert.

Die richtige Abisolierlänge und warum sie bei Aderendhülsen entscheidet

Eine Abisolierzange spart nur dann Zeit und Nerven, wenn die Länge stimmt. Die Faustregel: Die Abisolierlänge richtet sich nach der Klemme beziehungsweise der Aderendhülse, nicht nach Gefühl. Bei Wallbox-Klemmen steht die empfohlene Länge meist direkt am Gerät oder in der Anleitung, häufig sind es 10 bis 12 mm. Wer deutlich länger abisoliert, hinterlässt blanke Kupferstücke außerhalb der Klemme. Das ist nicht nur unschön, sondern verletzt den Berührschutz und kann zu Kurzschlüssen zwischen benachbarten Adern führen.

Bei flexiblen Leitungen sind Aderendhülsen im Set Pflicht, denn feindrähtige Litzen quetschen sich in Schraubklemmen auseinander und lockern sich mit der Zeit. Die Hülse muss dabei bündig mit der Isolierung abschließen: Ragt Kupfer ein bis zwei Millimeter heraus, ist das in Ordnung, steht deutlich mehr über, wurde zu lang abisoliert. Fehlt dagegen Kupfer in der Hülse oder sitzt die Isolierung in der Hülse, war die Länge zu kurz. Beides lässt sich mit einem Blick kontrollieren und vor dem Crimpen korrigieren.

Einstellen der Zange vor dem ersten Schnitt

Bei Zangen mit Einstellrad oder Längenanschlag lohnt sich ein Probeschnitt an einem Leitungsrest. Die Schneide darf die Isolierung komplett durchtrennen, aber nicht in den Leiter eindringen. Sichtbare Riefen im Kupfer sind das klare Zeichen für zu tiefe Einstellung. Bleibt dagegen ein hauchdünner Isolierungsfilm auf dem Draht, ist die Zange zu weit geöffnet oder das Messer stumpf.

Typische Fehler beim Abisolieren und wie man sie erkennt

Der häufigste Anfängerfehler ist die falsche Zangenbacke. Wer eine 1,5-mm²-Backe an einer 2,5-mm²-Ader benutzt, quetscht und kerbt den Leiter. Das erkennt man an eingedrückten Stellen oder abstehenden Einzeldrähten. Abhilfe: Querschnitt am Aufdruck der Leitung ablesen und die passende Backe wählen. Bei Zangen mit Automatik entfällt dieses Problem weitgehend, dafür müssen sie auf den richtigen Leitungstyp ausgelegt sein.

Der zweite Klassiker ist das Abisolieren mit dem Seitenschneider oder dem Cuttermesser. Das funktioniert bei Profis mit viel Erfahrung, bei Anfängern endet es fast immer mit angeschnittenen Drähten. Ein Querschnittsverlust von nur wenigen Prozent ist von außen kaum sichtbar, erhöht aber die lokale Erwärmung. Wer die Ader nach dem Abisolieren prüft und dort blanke Kerben sieht, sollte die Stelle abschneiden und neu beginnen. Niemals einfach weiterverwenden.

Drittens: Das Verdrehen von Feindrahtlitzen nach dem Abisolieren. Viele verzwirbeln die Litze von Hand und schrauben sie dann direkt in die Klemme. Das ist bei Wallbox-Anschlüssen nicht zulässig, sondern verlangt Aderendhülsen. Ein typisches Anzeichen für gelockerte Anschlüsse sind später verfärbte Klemmen oder ein leichter Brandgeruch am Gehäuse. Dann sofort die Sicherung ausschalten, Anschluss prüfen und gegebenenfalls neu herstellen. Gut zu wissen: Wer lockere Verbindungen vermutet, kann mit einem zweipoligen Spannungsprüfer erst die Spannungsfreiheit feststellen, bevor er überhaupt etwas anfasst.

Mehr als eine Zange: Das passende Werkzeug-Umfeld für den Anschluss

Die beste Abisolierzange für Elektriker reicht nicht, wenn der Rest des Werkzeugs fehlt. Zum sauberen Wallbox-Anschluss gehört eine passende Crimpzange für Aderendhülsen, mit der die Hülse trapezförmig oder viereckig verpresst wird. Gerade die Kombination aus Abisolierzange und Crimpzange sorgt für reproduzierbare Verbindungen. Die Crimpung selbst prüft man durch leichtes Ziehen an der Ader: Hält sie, ohne zu rutschen, passt die Verpressung.

Für den Außenmantel größerer Leitungen kommt ein Kabelmesser zum Abmanteln infrage, wobei viele Einsteiger damit schneller Fehler machen als mit einer Abmantelzange. Außerdem sollte ein Schrumpfschlauch Set bereitliegen, falls eine Isolierung ausgebessert werden muss, und ein Kabelbinder Set hilft, die Adern im Gehäuse sauber zu führen. Wer mit zwei Zangen und einem passenden Satz Schraubendreher arbeitet, kommt in den meisten Fällen zum gewünschten Ergebnis.

Pflege, Verschleiß und Arbeitssicherheit

Abisolierzangen haben Verschleißteile, vor allem die Messer. Wer häufig verzinnte Litzen oder Mehrdrahtleiter abisoliert, merkt irgendwann, dass die Isolierung nicht mehr sauber abgezogen wird oder Fasern hängen bleiben. Das ist das Signal, die Klingen zu wechseln oder zu drehen. Bei Modellen mit austauschbaren Messern ist das mit wenigen Handgriffen erledigt. Reinigen sollte man die Zange mit einem trockenen Tuch oder weichen Pinsel, keinesfalls mit Lösemitteln, weil diese Kunststoffgriffe angreifen können.

Arbeitssicherheit: Auch bei kleinen Arbeiten wie dem Abisolieren gilt, dass die Leitung zuvor spannungsfrei sein muss. Die fünf Sicherheitsregeln für Elektroinstallationen sind hier keine Theorie. Außerdem gehört der Anschluss einer Wallbox am Hausnetz laut Netzbetreiber-Vorgaben in die Hände einer eingetragenen Elektrofachkraft. Die Zange selbst ist für Arbeiten bis 1000 V AC geeignet, wenn sie nach VDE 0682 geprüft ist. Dieses Zeichen sollte am Werkzeug erkennbar sein. Für den Heimwerker bedeutet das: Zange, Prüfung und Dokumentation gehören zusammen, und die Abnahme der Anlage übernimmt immer der Fachbetrieb.